Aus dem DBE-Blog

Agentur für Arbeit überzeugen einen Bildungsgutschein auszustellen

Eine Weiterbildung oder Umschulung kann teuer sein – schnell kommen mehrere Tausend Euro zusammen. Die gute Nachricht: Wenn du arbeitslos, von Arbeitslosigkeit bedroht oder in einem Beruf tätig bist, der sich stark verändert, musst du das in vielen Fällen nicht selbst bezahlen. Mit einem Bildungsgutschein übernimmt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter die Kosten. Wie dieser Gutschein funktioniert, wer ihn bekommt und vor allem, wie du deinen Arbeitsvermittler davon überzeugst – darum geht es in diesem Beitrag.

Was ist ein Bildungsgutschein überhaupt?

Der Bildungsgutschein ist eine schriftliche Zusage der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters, die Kosten einer beruflichen Weiterbildung zu übernehmen. Die rechtliche Grundlage dafür ist die Förderung der beruflichen Weiterbildung nach dem Sozialgesetzbuch (§ 81 SGB III); für Beschäftigte, die im Job bleiben und sich qualifizieren wollen, greift zusätzlich das Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III). Mit dem Gutschein in der Hand suchst du dir anschließend selbst einen passenden, zugelassenen Anbieter aus und löst den Gutschein dort ein.

Was wird übernommen? In aller Regel sind das nicht nur die reinen Lehrgangskosten, sondern auch Fahrtkosten, gegebenenfalls Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung sowie ein Zuschuss zur Kinderbetreuung. Während einer Vollzeit-Maßnahme läuft das Arbeitslosengeld in der Regel weiter.

Wer hat Anspruch? Die Voraussetzungen

Einen festen Rechtsanspruch gibt es nicht – die Förderung ist eine sogenannte Ermessensleistung. Das bedeutet: Dein Arbeitsvermittler entscheidet im Einzelfall. Die Chancen stehen aber gut, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Du bist arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht – oder in einem Beruf tätig, der durch Digitalisierung und Technik im Wandel ist.
  • Die Weiterbildung ist notwendig, um dich (wieder) in den Arbeitsmarkt zu bringen oder einen drohenden Jobverlust abzuwenden.
  • Der Bildungsträger und die Maßnahme sind nach der AZAV zugelassen (dazu gleich mehr).
  • Der Gutschein wurde vor Beginn der Maßnahme beantragt – nachträglich geht es nicht.

So kommst Du an den Bildungsgutschein – Schritt für Schritt

  1. Termin vereinbaren: Vereinbare ein Beratungsgespräch bei deiner Agentur für Arbeit oder deinem Jobcenter – persönlich, telefonisch oder online.
  2. Bedarf begründen: Lege im Gespräch schlüssig dar, warum gerade diese Weiterbildung dich beruflich weiterbringt (die passenden Argumente dazu findest du weiter unten).
  3. Gutschein erhalten: Überzeugst du, stellt dir der Vermittler den Bildungsgutschein aus – meist mit Angaben zu Bildungsziel, Dauer und regionalem Geltungsbereich.
  4. Anbieter auswählen: Such dir einen AZAV-zertifizierten Anbieter und einen passenden Kurs. In der Kursdatenbank KURSNET (heute Teil von „mein NOW“) der Bundesagentur für Arbeit findest du alle zugelassenen Maßnahmen.
  5. Gutschein einlösen: Reiche den Gutschein beim Anbieter ein – dieser rechnet direkt mit der Agentur ab. Du selbst zahlst nichts.

Wichtig zum Stichwort AZAV: Nur Träger und Kurse, die nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) durch eine unabhängige Stelle zertifiziert sind, dürfen über einen Bildungsgutschein abgerechnet werden. Achte also unbedingt darauf, dass dein Wunschanbieter diese Zulassung hat – sonst ist der schönste Gutschein wertlos.

Das Gespräch mit dem Arbeitsvermittler richtig vorbereiten

Bei Gesprächen mit deinem Arbeitsvermittler ist Eigeninitiative gefragt. Deine eigenen Vorschläge sind immer willkommen, sollten aber gut durchdacht und sinnvoll sein. Die Chancen auf eine Förderung sind besonders hoch, wenn die Inhalte der geplanten Weiterbildung oder Umschulung klar dazu beitragen, deine beruflichen Ziele zu erreichen. Es ist wichtig, dass die Weiterbildung zu deinen bisherigen beruflichen oder akademischen Qualifikationen passt. Überlege dir daher genau, welche Kurse und Qualifikationen am besten zu deinem beruflichen Werdegang und deinen zukünftigen Plänen passen. Je besser du deine Vorschläge begründen kannst, desto wahrscheinlicher ist es, dass du Unterstützung erhältst.

Die stärksten Argumente für Deinen Bildungsgutschein

Hier sind einige Argumente, die du verwenden könntest:

  1. Relevanz zur aktuellen Berufssituation:

    • Erläutere, wie die geplante Weiterbildung direkt mit deinem aktuellen oder angestrebten Berufsfeld zusammenhängt.
    • Zeige auf, dass die Weiterbildung spezifische Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt, die in deiner Branche gefragt sind.
  2. Arbeitsmarktnachfrage:

    • Weise auf aktuelle Arbeitsmarktanalysen oder Berichte hin, die eine hohe Nachfrage nach Fachkräften in deinem Bereich belegen.
    • Betone, dass die Weiterbildung dich in die Lage versetzt, diese Nachfrage zu bedienen.
  3. Verbesserung der Beschäftigungschancen:

    • Erläutere, wie die Weiterbildung deine Chancen auf eine Festanstellung, eine Beförderung oder den Wechsel in ein wachsendes Berufsfeld erhöht.
    • Erwähne eventuell vorhandene Jobangebote oder Anfragen von Arbeitgebern, die durch die Weiterbildung erfüllt werden könnten.
  4. Persönliche berufliche Entwicklung:

    • Beschreibe, wie die Weiterbildung zu deiner langfristigen Karriereplanung passt und dich auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet.
    • Hebe hervor, dass die Weiterbildung dir hilft, deine beruflichen Ziele zu erreichen und deine Qualifikationen zu erweitern.
  5. Praxisrelevanz und sofortige Anwendbarkeit:

    • Zeige auf, dass die vermittelten Inhalte praxisnah und direkt in deinem Arbeitsalltag anwendbar sind.
    • Betone, dass du die neu erworbenen Fähigkeiten sofort nutzen kannst, um effizienter und produktiver zu arbeiten.
  6. Erfolge und Erfahrungen anderer Absolventen:

    • Wenn möglich, führe Beispiele von anderen Personen an, die nach Abschluss der gleichen Weiterbildung erfolgreich in ihrem Berufsfeld tätig sind.
    • Erwähne eventuell Statistiken über die Erfolgsquote der Weiterbildungsteilnehmer.
  7. Unterstützung durch potenzielle Arbeitgeber:

    • Wenn du bereits Rückmeldungen oder Zusagen von Arbeitgebern hast, die dich nach der Weiterbildung einstellen würden, füge diese Informationen hinzu.
    • Erwähne, dass dein Arbeitgeber (falls zutreffend) die Weiterbildung unterstützt und dies als wertvolle Investition in deine berufliche Entwicklung sieht.
  8. Zukunftstrends und Technologiewandel:

    • Zeige auf, wie die Weiterbildung dich auf kommende technologische Veränderungen und Innovationen vorbereitet.
    • Erläutere, dass du mit der Weiterbildung proaktiv auf zukünftige Entwicklungen reagierst und somit wettbewerbsfähig bleibst.

Ein Beispiel für ein solches Argument könnte wie folgt aussehen:

„Die geplante Weiterbildung im Bereich [Weiterbildungsbereich] ist eng mit meinem aktuellen Beruf als [dein Beruf] verbunden. Durch die Weiterbildung erwerbe ich spezialisierte Kenntnisse in [spezifische Fähigkeiten], die in unserer Branche stark nachgefragt sind. Laut aktuellen Arbeitsmarktberichten gibt es eine hohe Nachfrage nach Fachkräften mit diesen Qualifikationen, insbesondere in unserer Region. Diese Weiterbildung wird meine Chancen auf eine Festanstellung erheblich erhöhen und mir ermöglichen, in meinem Berufsfeld weiter voranzukommen. Zudem habe ich bereits positive Rückmeldungen von potenziellen Arbeitgebern erhalten, die großes Interesse an Fachkräften mit diesen Qualifikationen haben.“

Durch eine klare, faktenbasierte Argumentation kannst du die Notwendigkeit und den Nutzen der Weiterbildung überzeugend darstellen.

Häufige Fehler, die Du vermeiden solltest

  • Ohne Vorbereitung ins Gespräch gehen: Wer nur sagt „ich hätte gern eine Weiterbildung“, bekommt seltener eine Zusage als jemand, der ein konkretes Ziel und gute Gründe mitbringt.
  • Erst den Kurs buchen, dann zur Agentur: Der Bildungsgutschein muss vor Beginn der Maßnahme beantragt werden. Eine nachträgliche Kostenübernahme ist ausgeschlossen.
  • Einen nicht zugelassenen Anbieter wählen: Ohne AZAV-Zertifizierung des Trägers wird der Gutschein nicht eingelöst.
  • Das Ziel zu vage formulieren: „Irgendwas mit Computern“ überzeugt niemanden. Je klarer der Bezug zu einem gefragten Berufsbild, desto besser.
  • Nach dem ersten Nein aufgeben: Ein abgelehnter Antrag ist nicht das Ende. Du kannst nachbessern, zusätzliche Argumente liefern oder das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt erneut suchen.

Vorteile und Grenzen des Bildungsgutscheins

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Weiterbildung ist für dich in der Regel komplett kostenlos – inklusive Fahrt- und oft auch Betreuungskosten. Währenddessen läuft dein Arbeitslosengeld weiter, und am Ende steht häufig ein anerkanntes Zertifikat, das deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt spürbar verbessert. Du bestimmst zudem selbst, bei welchem zugelassenen Anbieter du den Gutschein einlöst.

Die Grenzen solltest du aber kennen: Es gibt keinen Rechtsanspruch – die Bewilligung liegt im Ermessen des Vermittlers. Der Gutschein ist außerdem an ein bestimmtes Bildungsziel, eine maximale Dauer und meist an eine Region gebunden und in der Regel rund drei Monate gültig. Und er gilt nur für AZAV-zertifizierte Maßnahmen – einen beliebigen Kurs am freien Markt kannst du damit nicht bezahlen.

Quellen & weiterführende Links

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